Regionalwährung als Alternative zum Euro?

Steinfurt - Bislang ist es nicht mehr als eine Idee. Sie ist nicht neu. Aber eingebunden in ein ganzes Bündel von flankierenden Maßnahmen könnte sie zum Problemlöser für den Einzelhandel in Borghorst und Burgsteinfurt werden – glaubt Marion Niebel. Die Geschäftsführerin der Steinfurter Marketing und Touristik (SMarT) sieht die Einführung einer eigenen Regionalwährung, nennen wir sie mal den „Steinfurter“, als große Chance, den Abfluss von Kaufkraft durch Onlinehandel und die benachbarten Oberzentren wie Münster und Osnabrück zu stoppen. Was die Einzelhändler von dem Vorhaben halten, will SMarT bei einer Informationsveranstaltung am kommenden Dienstag abfragen. „Die Kaufmannschaft muss es wirklich wollen“, so Niebel. „Sonst brauchen wir erst gar nicht anfangen.“

Chiemgauer als alternative Währung

Es ist ein Projekt, das vielerorts Aufsehen erregt: Der Chiemgauer – ein komplementäres Zahlungsmittel. Im Unterschied zu den vielen anderen Regionalwährung-en und Einkaufsgutscheinen, die es auch schon in Steinfurt gegeben hat, möchte SMarT ein großes Paket schnüren. Im Kern der „Steinfurter“, sollen ein eigener Lieferservice, ein Internetportal, eine App, Firmenwebsites und weitere Stadtmarketingaktionen dafür sorgen, dass die örtlichen Geschäfte eine echte Alternative zum Prinzipalmarkt und Amazon werden können.

Regionalität im Mittelpunkt

Mit Ulrich Ahlke , dem Leiter des Amtes für Klimaschutz und Nachhaltigkeit beim Kreis Steinfurt, hat Marion Niebel einen begeisterten Mitstreiter gefunden. Ahlke kann sich gut vorstellen, aus dem „Steinfurter“ ein Leader-Projekt zu machen. Womit die Frage, wer das alles bezahlen soll, zu einem Großteil beantwortet wäre. „Ich würde mich dafür stark machen“, verspricht Ulrich Ahlke. Schließlich will Leader genau das: die Entwicklung des ländlichen Raumes. Die Stadt selbst müsste allerdings eine Co-Finanzierung sicherstellen. Ulrich Ahlke: „Das ist immer die erste Frage, wenn es um die Bewilligung eines Leader-Antrags geht.“

Verwendung des Chiemgauers

Mit der neuen Währung, die erst einmal nur in Steinfurt gelten würde, soll in erster Linie natürlich das Geld im Ort gehalten werden. Aber nicht nur das. „Wir könnten damit eine Aufbruchstimmung erzeugen, die sich auf viele andere Themenfelder überträgt“, ist Marion Niebel überzeugt. Weiterhin soll die Kooperation der örtlichen Firmen verbessert, Wertschöpfungsketten und Transportwege verkürzt und dadurch eine umweltschonende Wirtschaftsweise gefördert werden – um nur einige der Vorteile zu nennen.

Eigenes Geld soll nach Möglichkeit nicht gedruckt werden. Die Ideengeber denken in erster Linie an den bargeldlosen Zahlungsverkehr mittels Smartphone oder Plastikkarte. Um die organisatorischen Aufgaben und die Betreuung zu stemmen, müsste allerdings zusätzliches Personal eingestellt werden. Projektträger könnte SMarT werden.

Gemeinsam sind wir stark

Wenn die Kaufmannschaften mitziehen, so Ulrich Ahlke, soll im nächsten Schritt ein Konzept für die Regionalwährung erstellt werden. Er schätzt die Kosten dafür auf 25 000 bis 30 000 Euro. Durch Leader könnten 65 Prozent der Summe eingesammelt werden, der Rest müsste aus Steinfurt kommen.

„Wollen wir so weitermachen wie bisher oder einen echten Ausweg aufzeigen?“, fragt Marion Niebel und hofft auf möglichst breite Zustimmung. Bei einer ersten Abfrage von 49 Einzelhändlern konnten sich 19 spontan vorstellen, bei der Regionalwährung mitzumachen. Das sind noch deutlich zu wenig. Marion Niebel: „50 sollten es schon sein.“